Gemeinschaftsschule: Freude am Lernen – Miteinander Leistung erbringen - Individuelle Förderung

Veröffentlicht am 26.07.2013 in Landespolitik

Die Landtagsabgeordnete Anneke Graner machte sich kurz vor den Sommerferien selbst ein Bild von der Gemeinschaftsschule, einem der wesentlichen Vorhaben der grün-roten Landesregierung in der Bildungspolitik. Zusammen mit Dagmar Elsenbusch, Kreisrätin und SPD-Fraktionsvorsitzende in Pfinztal und Dr. Helmut Wehr, Erziehungswissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, besuchte sie dazu die Gemeinschaftsschule Oberhausen-Rheinhausen.

Mit drei Klassen als erste Gemeinschaftsschule im Landkreis Karlsruhe gestartet, freut sich der Schulleiter Karsten Ex für das nächste Schuljahr über 96 Anmeldungen. Freude am Lernen, Miteinander Leistung erbringen und individuelle Förderung – das Konzept der Schule geht auf. (http://www.gemeinschaftsschule-oberhausen.de).

„An der Gemeinschaftsschule wird an den Stärken und den Kompetenzen der Kinder angesetzt. Dabei wird kein Kind allein gelassen“, betont die Abgeordnete Anneke Graner. Besonders drei Punkte sprechen ihrer Meinung nach für die Gemeinschaftsschule:
• Die Lehrer können individueller auf die Schüler eingehen. Sie ermuntern die Kinder dazu, die Pflichtaufgaben in dem für sie passenden Niveau zu erledigen und individuelle Schwerpunkte zu setzten. Denn Kinder wollen lernen, sie wollen etwas leisten, Fortschritte machen und sich entwickeln.
• Inhalte und Fähigkeiten werden auf vielfältige Arten selbstständig, im Team oder mit dem Lehrer von den Kindern erarbeitet. Dabei bringen alle Kinder ihre Leistung, gleichzeitig unterstützen die Stärkeren die Schwächeren und beide Seiten lernen etwas dazu.
• Die Entwicklung der Kinder entscheidet über den Abschluss, den sie erreichen. Eine Prognose aus einer Momentaufnahme wie die Grundschulempfehlung oder die von den Eltern mitgegebenen Voraussetzungen bestimmen nicht mehr über den kompletten Bildungsweg der Kinder.

Da nicht jeder die Möglichkeit hat, eine Gemeinschaftsschule von innen zu erleben, hat sowohl das Kultusministerium als auch der Bildungspolitiker Christoph Bayer MdL Stimmen zu dieser Schulart und Eindrücke aus dem Alltag mit einer Kamera festgehalten. Die Links zu den Videos sind am Ende des Texts angegeben.

Auch Dr. Helmut Wehr beurteilt das Konzept gerade an der Gemeinschaftsschule in Oberhausen-Rheinhausen überaus positiv: Wie Gemeinschaftsschule wirkt, kann ganz beispielhaft anhand von zwei Schülern - Hannah und Philip - deutlich gemacht werden. Hannah hat ihre Stärken im sprachlichen Bereich, im Lesen und Textverstehen, große Schwächen hat sie im motorischen Bereich. Philip hingegen hat große Kompetenzen im Bereich der Motorik, aber gewissen Nachholbedarf im Bereich Sprache und Textverständnis. Wohl beide würden die Realschulprüfung schaffen. Aber wie anders wären Lernleistung und Lernfreude, wenn eher ihre Stärken in den Fokus rückten, als wenn ihre Defizite ständig in der Notengebung herausgestellt würden? In der Gemeinschaftsschule mit ihrem qualitativ anderen, einem schülerorientierten Förderansatz, kann das Kind seine unterschiedlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten in den Schulalltag einbringen. Es muss nicht ständig Schwächen „ausbügeln“. Ein förderorientierter Blick auf das Kind ermutigt, fördert und fordert individueller und gerechter.

Die kompetenzorientierte Leistungsrückmeldung über eine niveaubestimmte Lernstandsbestimmung bietet den Eltern durch das Lerntagebuch einen realistischen Überblick über den Leistungsstand ihres Kindes. Darüber hinaus erlaubt es die Erstellung von individualisierten Förderplänen. Die hierbei eingesetzte pädagogische Diagnostik ermöglicht im Zusammenhang mit der praktizierten Wochenplanarbeit den Schülern das Erarbeiten individueller Schwerpunkte innerhalb eines von allen zu erreichenden „Pflichtprogrammes“. Für die Hand des Lehrers steht das Portfolio zur Verfügung, in dem die Diagnosebögen, die Lernwege und die Lernerfolge dokumentiert sind. Hieraus entwickeln sich das individuelle Gespräch mit Schülern und Eltern sowie eine differenzierte Rückmeldung. Noten können dabei durchaus gegeben werden. Dies ist eine schülerorientierte Chance, den Lernweg des Schülers niveaugerecht zu strukturieren und zu optimieren. Es verändert die Lehrerrolle dahingehend, dass Lehrer zu pädagogischen Diagnostikern, Lernbegleitern, Beratern und Gesprächspartner werden. Dies und die gemeinsame, kollegiale Medien- und Methodenvorbereitung gestaltet das Schulleben stressfreier - für Lehrer und Schüler. Basis ist allerdings ein hohes persönliches Engagement der Lehrkräfte und der Elternschaft im Sinne der anvertrauten Kinder.

Im Unterricht der Gemeinschaftsschule ist durch den Verbund von drei Klassen die Möglichkeit gegeben, dass nach einem kurzen Informationsvortrag des Lehrers das gewählte Pensum in Gruppenarbeit oder im Lernatelier in Einzelarbeit niveaugerecht bewältigen werden kann. Die Differenzierung der Schwierigkeitsgrade in drei unterschiedliche Kompetenzstufen befähigt die Schüler, sich selbstorganisiert und selbstverantwortlich mit „ihrem“ Thema zu beschäftigen. Die Verantwortungszumutung wirkt bei den meisten Schülern als Ansporn. Denn die Kinder wollen lernen, sie wollen etwas leisten, Fortschritte machen und sich entwickeln. Diesen Impuls gilt es zuzulassen und zu ermutigen. Dazu dient die Rhythmisierung in der Gemeinschaftsschule. Der Lerntag wird in einen 90 min. Rhythmus unterteilt, der es erlaubt, dass die Kinder in ihrem eigenen Zeitrhythmus arbeiten, üben und lernen. Es wird Schluss gemacht mit dem Mythos der lernhomogenen Gruppe, in der alle zur gleichen Zeit das gleiche Ergebnis erreichen. Die Schüler werden nicht mehr in ein antiquiertes Lernkorsett gezwängt.

Aufgrund der differenzierten Struktur der Gemeinschaftsschule ist es möglich, unterschiedliche schulische Abschlüsse zu erreichen. Soziale, kulturelle und kognitive Heterogenität wird akzeptiert, pädagogisch aufgenommen und in einem angemessenen formalen Abschnitt realisiert. Ein guter Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit!

Videos:
"Mehr Vielfalt" Die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg (Kultusministerium): http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=xBhJn70Q0v0

Lust auf Schule (Landtagsabgeordneter Christoph Bayer): http://www.team-bayer.de/Politikwerkstatt/Lust-auf-Schule.html (Eventuell startet der Film wegen der großen Datenmenge etwas verzögert.)

 
 

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